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RFIDs

 

 

 

Es gibt sie praktisch noch gar nicht, aber sie sind schon seit geraumer Zeit Gegenstand von hitzigen Diskussionen zwischen Datenschützern und Wirtschaft: RFIDs – Radio Identifikations-Chips.  Am 19. April lädt der nordrhein-westfälische Landtag zu einem „Tag der RFID-Technologie“ ein. Die Abgeordneten wollen sich ein Bild über die Technologie machen. Unter Aufbietung geballter Lobbymacht präsentiert sich in Düsseldorf Wirtschaft und Wissenschaft, die die Vorteile und Chancen der Technologie in möglichst günstigem Licht darstellen wollen.

Weitaus skeptischer sind dagegen die Datenschützer des Bielefelder Vereins Foebud, die schon seit einigen Jahren die versprochenen Segnungen der RFID-Technologie skeptisch begutachten.

      Tangens: Generell gibt es zwei ganz wichtige Unterschiede zwischen den Strichcodes auf den Waren, die wir schon kennen. Und den neuen RFID. Diese RFID-Chips haben zum Einen nicht nur eine Information darüber, was für eine Art die Ware ist, also eine Flasche Mineralwasser dieser oder jener Marke erzeugt in Deutschland usw., sondern jede einzelne Flasche hat dabei eine weltweit eindeutige Seriennummer. Jedes einzelne Exemplar einer Ware wird damit identifizierbar. Das ist ein ganz wesentlicher Unterschied.

      Und: anders als ein Strichcode kann ein RFID über Funk abgefragt werden. aus einiger Entfernung, ohne dass es sichtbar ist. Und das bedeutet auch, das Bürger und Bürgerinnen ausgelesen werden können. Die Gegenstände können ausgelesen werden, die Sie bei sich tragen, ohne dass Sie es bemerken.

    Sprecher: Rena Tangens von der Bielefelder Datenschutzinitiative FoebuD beschreibt soetwas wie Bert Brechts Radioutopie aus dem Jahr 1927: „Jeder Empfänger auch ein Sender“. Nur: es geht nicht um Hörfunk, sondern um eine andere Form der Sendung, um Datenaustausch. RFID-Chips sind die kommende Technologie in Handel und Industrie, Gesundheitswirtschaft, Überwachung, und, und, und... RFID – das steht für Radio Frequenz Identifikation. RFID-Chips sind winzige Chips mit einer Vielzahl an Informationen, die per Funkwellen abgefragt und ausgelesen werden können.

    Für die Warenwirtschaft bieten RFIDs hervorragende Vorteile bei der Lagerhaltung. Das verkennt auch Rena Tangens nicht:

      Tangens: Und die Entwicklung ist in der Logistik schon soweit – und das finde ich auch sinnvoll – wenn Paletten mit RFID versehen werden, aber auf Einzelprodukten haben diese Chips nichts zu suchen.

    Sprecher: Warum eigentlich nicht? Weil die Handelsunternehmen sehr daran interessiert mit Hilfe u.a. von Kundenkarten Konsumprofile ihrer Kunden zu erstellen, um sie beispielsweise gezielt mit Werbung anzusprechen

      Tangens: Dabei ist den meisten Menschen nicht klar, welche Nachteile das für sie langfristig haben kann, nämlich, wenn eine solch umfangreiche Sammlung von den kompletten Einkäufen über Jahre hinweg gespeichert ist, gibt man eine recht genaue Auskunft über den eigenen Lebensstil. Beispielsweise wenn Sie annehmen, dass Sie in den 80er Jahren Rindfleisch im Sonderangebot gekauft hätten, hätten Sie gedacht, dass das nichts Verwerfliches sei, was Sie geheim halten müssten. Als einige Jahre später die Erkenntnisse über BSE und Kreutzfeld-Jacob bekannt wurden, hat man dann nicht mehr so leichtfertig Rindfleisch gekauft. Aber der Einkauf wäre dann durch Ihre Kundenkarte vermerkt gewesen. Und heutzutage würde sich eine Krankenversicherung oder auch eine Lebensversicherung durchaus dafür interessieren, ob Sie vielleicht zu jener Zeit Rindfleisch im Sonderangebot, was vielleicht aus England importiert wurde, gekauft haben.

    Sprecher: Das klingt nach böser Orwellschen Utopie. Schließlich sah das Jahr 1984 auch nicht so aus, wie Orwell es in seinem Roman beschrieben hat.

      Tangens: Es kommt halt auf schleichenden Sohlen daher, z. B. mit Kundenkarten, z. B. mit dem Handy, mit dem wir laufend lokalisierbar sind... usw. usw.  Und diese schleichende Entwicklung wächst sich zu etwas aus, was tatsächlich demokratiebedrohend ist, so wie es damals im Volkszählungsurteil 1983 auch gesagt wurde, nämlich wenn jemand nicht mehr sicher ist, ob irgendwelche Informationen über sie oder ihn bekannt sind und in Zukunft, wer darauf Zugriff haben wird, dann wird man versuchen, sein Verhalten darauf einzurichten, und sich dem anzupassen.

       

-boff-